
Gastinterview für
L&D Connector Newsletter
Juni 2023
Petre Bica
Senior Digital Learning Consultant
Berater für KI-gestützte L&D-Lösungen
für The Learning Distillery
Was hat Sie dazu inspiriert, als Learning Consultant zu arbeiten?
Meine Hauptmotivation, in die Learning Consultancy einzusteigen, war die Herausforderung, präzise zu bestimmen, wann, wie und in welchem Umfang Schulungen, Coaching, Mentoring und andere L&D-Maßnahmen tatsächlich Leistungsdefizite beheben können – und ebenso zu erkennen, wann sie nicht die passende Lösung sind.
Obwohl ich ursprünglich als Trainer begonnen habe, wurde mir schnell klar, dass die Durchführung von Trainings zwar wichtig ist, aber nur ein Teil des Puzzles für erfolgreiche Lernergebnisse darstellt.
Ich erkannte, dass verschiedene systemische Faktoren eine ebenso große Rolle spielen. Mit diesem Verständnis übernahm ich die Aufgabe, die Lücke zwischen L&D-Funktionen und den organisatorischen Anforderungen zu schließen.
Dazu habe ich bewährte Methoden aus der Unternehmensberatung integriert, um Unternehmen dabei zu unterstützen, die Rolle des Learning Consultants zu etablieren und ihre internen L&D-Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit ist das Verständnis der Arbeitsprozesse von Lernenden und die Entwicklung datenbasierter Lernerfahrungen, die bestehende L&D-Praktiken und Traditionen kritisch hinterfragen.
Welche Herausforderungen sehen Sie für L&D und Learning Consultancy in den nächsten 2–3 Jahren?
L&D-Teams werden in den kommenden Jahren gefordert sein, die Relevanz ihrer Rolle zu sichern und proaktiv auf disruptive technologische Veränderungen zu reagieren.
Zu den größten Herausforderungen zählen steigende Komplexität und Skalierung, die einen Wandel weg von standardisierten „One-Size-Fits-All“-Ansätzen hin zu anpassungsfähigeren Methoden erfordern. Ebenso wird es entscheidend sein, Technologie und Mitarbeitende gleichermaßen zu integrieren und das Potenzial von KI zu nutzen, um die Wirkung von Lerninitiativen zu maximieren.
In unseren aktuellen Instructional System Design-Projekten beobachten wir einen klaren Trend zur Integration von Data Science in Learning Consultancy-Prozesse.
Dies bedeutet, dass wir gezieltere Daten über Lernbedarfe und Fortschritte sammeln können, um schneller zu analysieren, zu reagieren und anzupassen.
Durch diesen datengetriebenen Ansatz treffen wir fundierte Entscheidungen, die die Wirksamkeit von Lernmaßnahmen optimieren.
Der zukünftige Erfolg von L&D-Teams hängt maßgeblich davon ab, wie gut sie diese Herausforderungen bewältigen und Technologie als Enabler begreifen.
Welche 2–3 Dinge sollte jeder Learning Consultant wissen, um erfolgreich zu sein?
Ein starker Fokus auf die Beratungsrolle kann die Karrierechancen von Learning Consultants erheblich verbessern – insbesondere für diejenigen, die aus dem Trainingsbereich kommen. Das bedeutet, über einzelne Schulungsmaßnahmen hinauszudenken und die gesamte L&D-Funktion strategisch zu betrachten.
Ein tiefes Verständnis von Geschäftsprozessen und den Einflussfaktoren menschlicher Leistung ist essenziell. Ein systemischer Ansatz ermöglicht eine bessere Abstimmung zwischen L&D und den Unternehmenszielen – durch gezieltere Metriken, kürzere Feedback-Zyklen und adaptive Lernarchitekturen.
Wir müssen das Rad dabei nicht neu erfinden, sondern können von bewährten Methoden aus der Unternehmensberatung profitieren.
So haben wir beispielsweise Lean Six Sigma-Prinzipien gezielt für L&D adaptiert und in der Ausbildung von Learning Consultants erfolgreich eingesetzt. Mehr als 500 Fachkräfte haben von diesen Programmen profitiert, um L&D-Prozesse effektiver zu analysieren und neu zu gestalten.
Zudem bin ich überzeugt, dass Learning Consultants in Zukunft eine Schlüsselrolle dabei spielen werden, den Fehler zu vermeiden, „Technologie um der Technologie willen“ einzusetzen. Sie können helfen, ein ausgewogenes Vorgehen zu fördern, das sowohl den operativen Bedarf (das Warum), die Methodik (das Wie) als auch die Tools (die Mittel) berücksichtigt.
Welche Ressourcen (Podcasts, Online-Artikel, Bücher usw.) nutzen Sie regelmäßig, um über aktuelle L&D-Trends und Entwicklungen informiert zu bleiben?
Die Fülle an wertvollen Ressourcen in unserem dynamischen L&D-Bereich kann schnell überwältigend sein. Um den Überblick zu behalten und „FOMO“ (Fear of Missing Out) zu vermeiden, setze ich stark auf den Austausch in professionellen Communities:
Aus demselben Grund haben wir eigene Lerncommunities gegründet:
Zu meinen bevorzugten Publikationen gehören:

